Als Integrationsarchitektin und Projektleiterin sehe ich immer wieder dieselben Stolperfallen bei der Einführung von SAP Cloud Platform Integration (CPI). Deshalb habe ich für Sie eine praxisorientierte Checkliste zusammengestellt, die nicht nur die technischen Aspekte abdeckt, sondern auch Betrieb, Organisation und Roll‑out‑Risiken berücksichtigt. Mein Ziel: Sie sollen CPI produktiv betreiben können, ohne im laufenden Betrieb in vermeidbare Probleme zu rennen.

Grundlagen: Architektur und Umgebungen klären

Bevor irgendein Integration Flow entwickelt wird, muss die Zielarchitektur stehen. Das betrifft nicht nur CPI als Service, sondern wie es sich in Ihre Landschaft einfügt.

  • Umgebungsstrategie: Mindestens Dev, Test, Pre‑Prod und Prod. Ich empfehle zudem eine Sandbox für Proof‑of‑Concepts.
  • Mandanten und Subaccounts: Klären Sie Multitenancy‑Anforderungen, Berechtigungen und Quoten.
  • Netzwerk-Design: VPN, SAP Cloud Connector, Private Link oder Internet‑Zugriff? Prüfen Sie Firewall‑Regeln, IP‑Zulassungen und ggf. Reverse Proxy.
  • Integrationsmuster: Message‑Broker, Point‑to‑Point, API‑First oder Event‑Driven? Legen Sie die Muster frühzeitig fest – das beeinflusst Design, Monitoring und Skalierung.
  • Sicherheit und Governance

    Sicherheit darf nicht erst am Ende geprüft werden. Ich sehe häufig, dass Credentials, Zertifikate und Policies ad hoc gehandhabt werden — ein großes Risiko.

  • Identity & Access Management: Rollenmodell definieren (Entwickler, Operator, Reviewer, Security Admin). Nutzen Sie SSO/Identity Provider (z. B. Azure AD, SAP ID Service).
  • Credentials und Secrets: Zentralisieren Sie Secrets (z. B. mit HashiCorp Vault, Azure Key Vault oder SAP Secret Management) und vermeiden Sie Parameter im Klartext.
  • Zertifikatsmanagement: Automatisieren Sie Erneuerung und Verteilung von TLS/Client‑Zertifikaten.
  • Data Protection: Masking/Pseudonymisierung für produktive Daten in Testumgebungen, DSGVO‑Konformität prüfen.
  • Entwicklung, CI/CD und Transportmanagement

    Ein robustes Deployment‑Konzept reduziert Fehler, beschleunigt Rollouts und verbessert Nachvollziehbarkeit.

  • Source Control: Alle Artefakte in Git, inklusive Integration Flows, Property Files und Readme.
  • CI/CD‑Pipeline: Automatisieren Sie Build, Unit Tests und Deployments. Tools wie Jenkins, GitHub Actions oder GitLab CI lassen sich mit CPI‑APIs integrieren.
  • Transportprozess: Definieren Sie Freigabe‑Schritte (Code Review, Security Scan, Abnahmetests) — nicht jeder Flow darf direkt nach dem Commit in Prod landen.
  • Versionsmanagement: Nutzen Sie semantische Versionierung und dokumentieren Sie Breaking Changes.
  • Testing: Was wirklich getestet werden muss

    Testen ist mehr als ein Happy‑Path‑Durchlauf. Ich empfehle eine Teststrategie, die funktionale, nicht‑funktionale und organisatorische Tests kombiniert.

  • Unit‑Tests: Logik und Mapping auf Flow‑Ebene (z. B. mit Mock‑Services oder lokalen Tests).
  • Integrationstests: End‑to‑End mit Testdaten, inklusive Downstream‑Systemen (Sandboxen nutzen).
  • Performance‑Tests: Lasttests für kritische Flows — prüfen Sie Latenzen, Durchsatz und Timeouts.
  • Chaos‑/Failure‑Tests: Wie verhält sich CPI beim Ausfall eines Endsystems oder bei fehlerhaften Messages?
  • Monitoring, Alerting und Observability

    Ohne gutes Monitoring wird ein produktiver Betrieb schnell reaktiv, nicht proaktiv. CPI bietet viele Metriken — nutzen Sie sie.

  • Protokollierung: Strukturierte Logs mit Correlation‑IDs; kein "Lost Context".
  • Monitoring‑KPI: Success/Failure‑Rates, Durchsatz, Latenz, Queue‑Längen, Ressourcenverbrauch (Worker, Memory).
  • Alerting: Definieren Sie sinnvolle Alerts (z. B. erhöhte Fehlerrate über 5 %, Queue‑Wartezeit > X Minuten). Verzichten Sie auf zu viele False‑Positives.
  • Dashboards: Business‑Kenngrößen und Systemkennzahlen zusammenführen (Grafana, SAP Cloud ALM, Splunk).
  • Operational Readiness: Prozesse und Rollen

    Technik ist nur ein Teil der Betriebsfähigkeit. Klar definierte Prozesse verhindern Nachtschichten voller Überraschungen.

  • Runbook: Für jeden kritischen Flow ein Runbook mit Troubleshooting‑Schritten, Rollback‑Plan und Kontakten.
  • On‑Call & Eskalation: Zuständigkeiten, SLOs und Schichtpläne festlegen.
  • Change Management: Rolling Deploys, Wartungsfenster und Kommunikationspläne für Stakeholder und Fachbereiche.
  • Backups & Recovery: Konfigurationen exportieren, CPI‑Pakete sichern und Notfallwiederherstellung testen.
  • Dokumentation und Know‑How Transfer

    Gute Dokumentation spart später Zeit und Nerven. Ich kenne Projekte, die jahrelang unter Wissens‑Flucht gelitten haben.

  • Architektur‑Dokumente: Übersichten, Integrationsmuster, Sicherheitskonzepte.
  • Flow‑Dokumentation: Zweck, Input/Output, Transformationsregeln, Fehlerfälle.
  • Onboarding‑Material: Quickstarts, Hands‑On Labs, FAQ für neue Entwickler und Betriebsteam.
  • Trainings: Praktische Workshops und regelmäßige Knowledge‑Sharing‑Sessions.
  • Roll‑out‑Fallen, die ich immer wieder erlebe

    Bei Rollouts schleichen sich oft organisatorische Fehler ein, die technisch vermeidbar wären. Hier meine wichtigsten Warnsignale:

  • Unvollständige Stakeholder‑Einbindung: Fachbereiche werden zu spät informiert — Schnittstellenanforderungen ändern sich während des Go‑Live.
  • Testdaten fehlen: Tests mit anonymisierten oder unvollständigen Daten liefern ein falsches Sicherheitsgefühl.
  • Keine klare Cutover‑Strategie: „Big Bang“ ohne Migrationsplan führt zu langen Downtimes.
  • Übersehen von Nebenwirkungen: Batch‑Jobs, SFTP‑Prozesse oder Drittanbieter‑Workflows werden nicht beachtet.
  • Keine Eskalationswege: Probleme werden nicht rechtzeitig an die richtigen Teams weitergegeben.
  • Praktische Checkliste für den produktiven Betrieb

    Zum schnellen Abhaken habe ich die wichtigsten Punkte in einer kompakten Liste zusammengefasst.

  • Architektur und Umgebungen definiert (Dev/Test/PreProd/Prod).
  • Netzwerk‑ und Security‑Anforderungen umgesetzt (VPN, SC, Zertifikate, Secrets‑Vault).
  • Source Control und CI/CD etabliert.
  • Teststrategie inkl. Performance‑ und End‑to‑End‑Tests abgeschlossen.
  • Monitoring, Alerting und Dashboards eingerichtet.
  • Runbooks und On‑Call‑Prozesse dokumentiert.
  • Rollback‑ und Recovery‑Pläne vorhanden und getestet.
  • Stakeholder‑Kommunikation und Cutover‑Plan abgestimmt.
  • Trainings und Dokumentation für Betrieb und Fachbereiche vorhanden.
  • Rollen & Verantwortlichkeiten (Beispiel)

    Rolle Verantwortung
    Integrationsarchitekt Gesamtarchitektur, Patterns, Governance
    Entwickler Implementierung von Flows, Unit‑Tests
    Tester End‑to‑End‑Tests, Regression, Performance
    Operations/Run Team Monitoring, Incident‑Handling, Deployments
    Business Owner Abnahme, Priorisierung, SLA‑Definition

    Wenn Sie möchten, kann ich Ihre spezifische CPI‑Landschaft gegen diese Checkliste reviewen und priorisierte Handlungsempfehlungen liefern — inklusive einer risikobasierten Roadmap für einen sicheren Roll‑out. Schreiben Sie mir mit einer Kurzbeschreibung Ihrer Landschaft und ich erstelle Ihnen ein pragmatisches Assessment.